Die Architektur unserer inneren Motive

Unsere Psyche hat wie ein Gebäude eine Art innere Statik.

Diese ist nicht sichtbar, aber erlebbar. In der Art, wie wir Nähe zulassen, wie wir Spannung halten, wie wir Einfluss nehmen oder uns zurückziehen. Eine Konstruktion, die sich mit uns verändert und doch eine gewisse Form vorgibt, in der wir leben.

Diese Statik hat zwei wesentliche Elemente.

Zum einen die Spannungsachsen psychologischer Bedürfnisse:

~ Bindung ist Nähe 

und Distanz

~ Selbstbestimmung ist Freiheit 

und Sicherheit

~ Selbstachtung ist Einzigartigkeit 

und Zugehörigkeit

Sie wirken wie der Rahmen eines Gebäudes: ein System aus Kräften, das ständig ausbalanciert werden will, damit der Bau nicht starr oder instabil wird.

Zum anderen jene Bedürfnisse der Selbst-Steuerung. Sie wirken auf einer noch grundsätzlicheren Ebene wie ein Fundament, das uns trägt, wenn wir uns aufrichten oder in Kontakt gehen. Dazu gehören z.B. lebendig sein, „ich“ sein, in Resonanz sein, entspannt und kräftig sein.

Beides zusammen bildet so etwas wie die Architektur unserer inneren Motive. Immer in Bewegung, immer abhängig davon, wie genährt, überlastet oder geschützt unsere Bedürfnisse im Alltag sind.

Wenn man teils sehr unterschiedliche Theorien nebeneinanderlegt – Bowlbys Bindungstheorie, die Self-Determination Theory von Deci & Ryan, Grawes Psychotherapieforschung, oder Arbeiten von Baumeister zur „Need to belong“ – entsteht ein gemeinsamer Kern:

Psychologische Grundbedürfnisse sind angeborene, universelle motivationale Grundorientierungen, die auf unsere soziale Umwelt ausgerichtet sind und deren angemessene Erfüllung für psychische Gesundheit zentral ist.

> Befriedigen wir sie, fördern wir Entwicklung, Vitalität, innere Stimmigkeit und Beziehungsfähigkeit.

< Frustrieren wir sie dauerhaft, entstehen oft brüchige Selbstbilder, verengte oder verschobene Wahrnehmungen, rigide oder grenzenlose Beziehungen.

Sie liegen – oft unbewusst – hinter unseren Zielen, Rollen und Strategien.

Unsere Motive sind damit Ausdruck dessen, was wir psychisch brauchen, um uns lebendig und kohärent zu fühlen. Sie geben unseren Alltag eine Richtung – im Teammeeting wie am Küchentisch – und prägen, wofür wir Energie aufbringen, wovor wir uns schützen und woran wir wachsen.

Bedürfnisse wie Bindung, Autonomie oder Selbstwert sind nicht Lifestyle, sondern Grundbausteine seelischen Wohlbefindens.Wenn wir unsere Grundbedürfnisse ernst nehmen, widmen uns nicht oberflächlicher Kosmetik, sondern der Grundarchitektur des ganzen Hauses, in dem wir innerlich wohnen.