Von der Abwehr zum Bedürfnis

Was braucht es, um wieder Zugang zu unseren Bedürfnissen zu finden?

In den letzten Beiträgen habe ich beschrieben, wie Bedürfnisse mit Schmerz gekoppelt werden und welche Schutzstrategien wir entwickeln, um mit schwierigen Beziehungserfahrungen und Lebensumständen bestmöglich klarzukommen.

In den nächsten Wochen soll es darum gehen, was wir tun können, um zurück zu unseren Bedürfnissen zu finden.

Heute gebe ich einen ersten Überblick – eine Orientierung, was im Coaching geschehen kann und was Menschen selbst tun können. In den kommenden Beiträgen werde ich dann einzelne Aspekte vertiefen, die mir besonders wichtig erscheinen.

◽️Im Coaching: Verschiedene Bewegungen, die ineinandergreifen◽️

In meiner Arbeit mit Klienten geht es um Bewegungen, die nicht linear ablaufen, sondern sich gegenseitig bedingen. Häufig geht es dabei um folgende Themen:

~ Erforschen, was Bedürfnis ist und was Abwehr: Die Unterscheidung ist oft nicht offensichtlich, besonders wenn Muster jahrzehntelang gefestigt sind.

~ Differenzierung: Zwischen damals und heute. Zwischen Bedürfnis und Vermeidung. Zwischen passivem Empfangen und aktivem Ausdruck – nicht „Anerkennung bekommen”, sondern „sich zeigen wollen”.

~ Die Schutzfunktion verstehen und würdigen: Die Abwehr war eine kluge Lösung. Wenn diese Leistung anerkannt ist, kann die Vermeidung zur Seite gebeten werden, um dem Bedürfnis Raum zu geben.

~ Das Bedürfnis selbst erforschen: Dem Bedürfnis nachspüren – was will sich zeigen? Welche expansive Qualität entsteht, wenn man sie zulässt, und wie spüre ich dann die Vermeidung?

~ Dabei auch kleine Experimente machen: In geschützten Räumen ausprobieren, was passiert, wenn das Bedürfnis mehr Raum bekommt.

◽️Was Menschen selbst tun können◽️

Auch ohne professionelle Begleitung gibt es Wege:

~ Widersprüche wahrnehmen zwischen dem, was wir sagen („Ich brauche das nicht”) und dem, was wir fühlen (Leere, Unruhe, nächtliches Grübeln)

~ Körpersignale ernst nehmen als Hinweise auf abgewehrte Bedürfnisse

~ Kleine, sichere Experimente wagen in Kontexten, die sich sicher anfühlen

~ Unterscheiden lernen zwischen echten Bedürfnissen (fühlen sich eher lebendig an) und Abwehr (fühlen sich eher kontrolliert an)

~ Geduld mit sich selbst – Bedürfnisse, die jahrzehntelang mit Schmerz gekoppelt waren, öffnen sich nicht über Nacht

Das ist keine abschließende Liste. Auch was ich als Coaching-Ansätze gelistet habe kann jeder natürlich auch selbst für sich ausprobieren.

In den kommenden Wochen will ich mich diesen und evtl. anderen Ansätzen widmen.