Von der Angst zum Bedürfnis

Bedürfnisse und Angst treten häufig gemeinsam auf. Wir wollen Nähe UND haben Angst, uns auf den anderen einzulassen.

Dabei ist das Spüren von Angst ein Reifemarker. Wer Angst erleben kann, trägt in sich einen Wegweiser zu stillgelegten Bedürfnissen.

Wer keine Angst hat, sagt vielleicht einen Satz wie „Ich kann aus dem zermürbenden Job nicht raus, denn ich bin sicherheitsorientiert“. Das zeugt oft von einem inneren Schutzmechanismus, der uns den *Wunsch* nach dem Bedürfnis nach Freiheit gar nicht erst spüren lässt.

Das Bedürfnis wird abgewehrt und verschlossen – denn die Wunde, die an dem Bedürfnis hängt, fühlt sich schmerzhafter an, als das chronische nicht-Erleben des Bedürfnisses selbst.

Psychologische Grundbedürfnisse sind für unser Selbst, was Nahrung für den Körper ist. Wir brauchen sie für seelisches Wohlbefinden. Sicherheit ohne Freiheit, Distanz ohne Nähe oder Einzigartigkeit ohne Zugehörigkeit verwehren unserem geistig-emotional-körperlichen Selbst wesentliche Nährstoffe. Ohne Kraft, Resonanz, Lebendigkeit, Entspanntheit oder Selbstkontakt trocknen wir innerlich aus.

Unsere Grundbedürfnisse bilden somit zentrale Pfeiler der inneren Architektur unseres Erlebens. Sie prägen unsere Wahrnehmung, unseren Kontakt, unsere Selbststeuerung und unsere Beziehungen – sie entscheiden mit, wie wir fühlen, denken und handeln.
In dieser neuen Serie will ich die reichhaltige und komplexe Welt unserer seelischen Grundbedürfnisse erkunden. Dabei will ich unter anderem folgenden Fragen nachgehen:

◽️ Was sind psychologische Bedürfnisse? Wie können wir sie konzeptualisieren?
◽️ Wie prägen sie unser Fühlen, Entscheiden und?
◽️ Was geschieht, wenn ein Bedürfnis verletzt oder übergangen oder mit „AUA“ verknüpft wurde?
◽️ Wie formen solche Kopplungen unsere Beziehungen zu uns selbst und anderen?
◽️ Wie unterscheiden wir funktionale Strategien vom lebendigen Kontakt zu unseren Bedürfnissen?
◽️ Und wie lassen sich innere Orientierung, Resonanz und Selbstkontakt wieder stärken?

Wenn wir psychologische Grundbedürfnisse ernst nehmen, entsteht die Chance, neue Perspektiven zu gewinnen: Weg von „zu sensibel, zu anspruchsvoll, zu unsicher“ hin zur Frage, welche Bedürfnisse zu lange keinen guten Ort hatten.

Es macht einen Unterschied, ob wir uns nur optimieren oder uns wirklich verstehen. Ob wir innerlich kündigen oder Verantwortung übernehmen. Ob Angst in Rückzug und Polarisierung kippt – oder in Kontakt, Aushandlung und gemeinsame Entwicklung.